Indie-Verlage heute und morgen
Freitag, den 12. Juni 2009Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag hat neulich in der taz ein ziemlich düsteres Bild der kleinen Verlage gemalt. Dies und die Diskussionen um die Zukunft der Buchbranche wegen der nun ernstzunehmenden eBooks und des Medienwandels haben mich veranlasst, mir ein paar Gedanken zur Situation und der Zukunft von unabhängigen Verlagen zu machen.
Die aktuellen Probleme von Indie-Verlagen
Schwer zu schaffen machen uns Indies laut dem Artikel von Jörg neben den altbekannten und »normalen« Problemen (vor allem geringe Präsenz in den Buchhandlungen und Feuilletons, wodurch die Leser nicht von unseren Büchern erfahren können) jetzt auch noch die Finanz-/Wirtschaftskrise und damit einhergehende Absatzschwierigkeiten. Zuletzt hat Urs Engeler Editor sein Buchprogramm einstellt, weil er seinen Mäzen verloren hat.
Jörgs Prognose ist düster, er meint, »dass der Verlag von Urs Engeler nicht der letzte ist, der bald die Produktion einstellen wird. Und mit diesen Verlagen, die mehr an Literatur als an Rendite denken, verschwinden auch die Räume für die Literatur selbst.«
Nicht ganz abwegig, wenn man die Szene der »jungen Indies« in letzter Zeit betrachtet: Die Verleger von Tropen hatten die begrenzten Möglichkeiten eines kleinen Verlags satt und ihr Haus vor zwei Jahren unter das Dach von Klett-Cotta gegeben, Heinrich & Hahn musste aufgeben, Tisch 7 veröffentlicht keine Bücher mehr, Urs Engeler dito …
Medienwandel und Buchverlage
Mittel- bis langfristig kommen zu den genannten Problemen auch noch die Herausforderungen der Digitalisierung und eines sich durch das Internet wandelnden Verhältnisses zwischen Verlagen, Autoren und Lesern hinzu – kleiner Trost: dies betrifft alle Verlage, auch die großen.
Leander Wattig hat in seinem Blog ein paar Überlegungen dazu angestellt: U.a. geht es darum, ob Buchverlage in Zukunft noch gebraucht werden – und hier stehen die großen Verlage m.E. sogar schlechter da als die kleinen, dazu später mehr.
Ich glaube, dass (unabhängige) Verlage nicht verschwinden werden, auch in Zukunft werden sie die Verbreitung und Bekanntmachung ihrer Autoren organisieren, also z.B. Lektorat und Korrektorat sowie die Pressearbeit übernehmen, Lesereisen oder den Vertrieb online/offline organisieren u.v.m. Würden Autoren das alles selbst tun, hätten sie einen Vollzeitjob, müssten Leute beschäftigen und außerdem einiges an Kosten bewältigen, die sonst der Verlag übernimmt. Das Wichtigste: Für das Schreiben hätten sie kaum noch Zeit. Nach meiner Erfahrung haben viele Autoren auch keine Lust, sich um die geschäftliche Seite ihrer Arbeit zu kümmern. Verlage sind m.E. gewissermaßen Dienstleister ihrer Autoren, die ihnen einen Großteil der für sie eher unangenehmen Aufgaben abnehmen – und sie kennen sich damit auch besser aus. Womöglich werden sich die Aufgaben der Verlage in einigen Bereichen verschieben (z.B. hin zu Communitys pflegen, Merchandising), aber ausreichend Mehrwert bieten wir auf jeden Fall für unsere Autoren. Zumindest so lange, bis sie richtig bekannt sind, dann sieht es vielleicht etwas anders aus. (Dieses Problem haben wir Kleinverleger allerdings auch jetzt schon …)
